Les Seychellois

Nach dem Namen ihrer Inseln, den Seychellen, nennen sich ihre Bewohner Seychellois. Die im indischen Ozean nahe des Äquators gelegene Inselgruppe umfasst rund 115 teils weit verstreute Inseln und Inselchen. Ein Mann berichtete uns, eine besonders abgelegene Insel in mehrtägiger Meerfahrt per Boot besucht zu haben, sich am Sternenhimmel orientierend. Viele Familien betreiben Fischfang, bauen Boote oder leben sonst in einer Weise vom Meer, das überall die Hauptrolle spielt. Das Leben auf den Seychellen basiert auf oft staatlich geförderter und organisierter Produktion und entsprechendem Export, sowie auf dem Güterimport vom Festland. Zur Inselgruppe der Seychellen gehört auch das unbewohnte Aldabra Atoll. Seit Jahrzehnten wird versucht, die kostbaren Naturschätze (zahlreiche endemische Tiere und Pflanzen wie beispielsweise die Coco de Mer Palme oder die Aldabra-Riesenschildkröte) zu bewahren und nachhaltig zu schützen. Ein sanfter, noch immer recht exklusiver Tourismus bringt als unverzichtbarer Wirtschaftszweig zwar Gefahren mit sich, trägt aber zugleich zur Wertschätzung und zum Erhalt der Inselschönheit bei. Die Isoliertheit durch das weite Meer, die relative Kleinheit der Inseln erzeugen den Wunsch nach Austausch. Viele Seychellois, die diese Möglichkeit haben, verlassen ihre Inseln für einige Zeit, häufig, um in Europa oder anderswo zu lernen oder zu arbeiten. Die meisten Seychellois leben auf der Hauptinsel Mahé mit der kleinen Hauptstadt Victoria, auf Praslin und auf La Digue, wo alle einander zu kennen scheinen. Uns europäische Besucher überraschen die Seychellois bereits auf den ersten Blick durch ihre vielfältige Erscheinung. Bekanntes und für uns Ungewohntes vereinen sich in Selbstverständlichkeit. An den verschiedenen buntschwarzen Hautfarben können wir uns kaum sattsehen. Dabei blitzen nicht selten bretonisch wasserblaue Augen aus einem dunklen Teint, lange Wimpern und volle Lippen schmücken sonnengesprenkelte Gesichter. Weit von den Seychellen entfernte afrikanische Regionen, Indien, China, Südostasien und selbst der neue Kontinent scheinen auf in den Gesichtern, die Züge sind in vertrauter Form und jeder erdenklichen Kombination verschmolzen. Nicht allein die Menschen, auch die Gerichte, die Gärten und die Spiritualität zeigen die Integrationsfähigkeit und den kulturellen Reichtum der Seychellois. Während der Eroberung der Weltmeere lagen die Inseln inmitten des indischen Ozeans für die Seemächte strategisch sehr vorteilhaft. Das führte zu einer wechselhaften und weitgehend von Aussen geprägten Inselgeschichte – einschliesslich skrupelloser Ausbeutung von Menschen und Ressourcen und tragischer Verschleppungen sowie zahlreicher Herrschaftswechsel. Daraus entwickelten die Seychellois im Laufe der Zeit jedoch ein neues Selbstverständnis, ihre gemeinsame kreolische Sprache, ihr tatsächlich weitgehend friedliches, staatlich organisiertes Zusammenleben. Die heutigen Seychellois fühlen sich stark mit ihren Inseln verbunden. Doch das Wesentliche ist ganz unbeschreiblich. Wir schauen in die Gesichter und möchten angesichts jeder und jedes Einzelnen nach den verborgenen Geschichten fragen, denn auf den Seychellen sind wir in Afrika und die Wurzeln der Seychellois reichen tiefer und weiter als alle versuchten Zuschreibungen und Interpretationen. © Martina M. Ott

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